Schüler*innen schreiben sich ihr Zeugnis selber

Voraussetzungen:

Das kann nur(!) mit Schüler*innen versucht werden, die schon auf verschiedenen Feldern an das Reflektieren des Prozesses und der Ergebnisse der eigenen Arbeit und des eigenen Lernens herangeführt worden sind und das geübt haben.

Mit dem selbstständigen und selbstverantwortlichen Arbeiten und Lernen vertraute Schüler*innen werden sich und anderen – und vor allem auch der Lehrerin, dem Lehrer – gerne ein Zeugnis schreiben.

Durchführung:

Mit den Schülern muss vorher die Funktion und der Wert eines Zeugnisses gemeinsam erarbeitet werden, indem wieder erst einmal das Vorwissen aktiviert wird. Dabei kann ich als Lehrer*in feststellen, welchen Stellenwert das Zeugnis bei den Schülern hat, wie sie es empfinden, was sie über den Inhalt wissen, die Art, wie es geschrieben wird etc. – und was ich ihnen dafür noch nahebringen kann/muss. In der Regel werden die Schüler ab etwa der 3. Klasse (Rubicon) alle relevanten Kriterien für die Zeugnisse schon kennen! Diese Kriterien werden jetzt von den Schüler*innen selbst zusammengetragen und damit bewusst gemacht und an der Tafel sichtbar dargestellt – ebenso die Form und der Ablauf.

Jeder Schüler schreibt sich selbst ein Zeugnis. Meiner Meinung nach sollte das unbedingt in der Schule geschehen und nicht zu Hause, um den Einfluss der Eltern herauszuhalten! Das spricht auch dafür, alles an einem Tag durchzuführen, da das Gespräch der Schüler darüber mit den Eltern ihnen die Unbefangenheit rauben könnte.

Die Lehrerin/der Lehrer übernimmt die Zeugnisse der Schüler im Original und ergänzt sie durch einen eigenen Kommentar. Das bedeutet in der Regel ein Abweichen vom Zeugnisformular! Die Fachlehrer können wie bisher ihre Zeugnisse schreiben oder sich dieser neuen Form anschließen – wobei ich rate, das ganze Zeugnisschreiben der Schüler in der Hand der Klassenlehrerin/des Klassenlehrers zu lassen und an einem Tag durchzuführen, da es sonst zerredet werden könnte.

Gerne schreiben die Schüler auch der Lehrerin/dem Lehrer ein Zeugnis.

Bedingungen:

Die Schulleitung muss dieser Form des Zeugnisschreibens zustimmen, damit sie schulrechtlich abgesichert ist. Ich sehe darin überhaupt kein Problem, da es sich bei uns nicht um Versetzungszeugnisse handelt.

Es ist meines Erachtens sinnvoll, das Kollegium über diesen Versuch zu informieren – aber wahrscheinlich besser erst, wenn er durchgeführt ist, um sicher auftretende Widerstände nicht schon vorher als Bremse wirksam werden zu lassen. Wenn es an der Schule ein Praxisforschungsprojekt zum individualisierten, kooperativen und selbstverantwortlichen Lernen (svl) gibt, dann ist es sinnvoll, das Zeugnisschreiben als Projekt im Sinne der Praxisforschung zu beschreiben, durchzuführen und auszuwerten.


Siehe auch Zeugnisse geschrieben von Schülern https://selbstverantwortliches-lernen.de/projekte/projekt/zeugnisse-geschrieben-von-schuelern/

Bild von F1 Digitals auf Pixabay

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