Wie finden wir den richtigen Schulberater?

Eine Handreichung der Koordinationsstelle für Schulberatung im Bund der Freien Waldorfschulen

Eine Waldorfschule zu beraten bzw. in ihrer Entwicklung zu begleiten ist eine besondere Aufgabe! Warum? Waldorfschulen haben nicht nur ein ganz eigenes, auf den Entwicklungsgesetzmäßigkeiten des werdenden Menschen aufbauendes ganzheitliches pädagogisches Konzept, sondern in Verbindung damit auch einen speziellen Ansatz der „republikanischen“ Selbstverwaltung und der „Dreigliederung“ der Funktionsbereiche. Das Ganze befindet sich in einem ständigen Entwicklungsprozess aller Beteiligten. Bei den Lehrern erfordert dies eine laufende individuelle Schulung zur Erweiterung der Wahrnehmungs- und Erkenntnisfähigkeiten, um den Lern- und Entwicklungs-Bedürfnissen der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen im weitesten Sinne gerecht werden zu können. Deshalb muss auch ein Beratungs- oder Entwicklungs-Ansatz ganzheitlich arbeiten und mit diesen Dimensionen nicht nur vertraut sein, sondern auch selbst originär damit arbeiten. Dies gilt nicht nur für die Arbeit mit einzelnen Menschen in Supervision und Coaching, sondern vor allem auch im Bereich der pädagogischen Entwicklung, der Organisationsentwicklung (OE), der Personalentwicklung (PE), sowie für die Krisen- und Konfliktbearbeitung.

Immer wieder bekomme ich die Frage nach dem „richtigen“ Berater für eine Waldorfschule oder einen Waldorfkindergarten gestellt. Das ist nicht leicht zu beantworten! Selbstverständlich können viele unterschiedliche Beratungsansätze und –Konzepte aus der Wirtschaft auch an Waldorfschulen angewendet werden! Sie werden aber immer nur Teilbereiche und davon auch nur Teilaspekte erfassen können, wenn sie nicht auf dem oben kurz angedeuteten ganzheitlichen Ansatz mit seinen speziellen, die Waldorfpädagogik berücksichtigenden Ausprägungen beruhen und aufbauen. Jede Veränderung eines Teiles oder von Teilprozessen eines Organismus hat (oft tiefgreifende) Auswirkungen auf den ganzen Organismus! Aus diesem Bewusstsein heraus arbeiten anthroposophisch orientierte Medizin, Therapie, Pädagogik, Landwirtschaft…. und Beratung. Deshalb sollte jede Waldorfschule, jede anthroposophisch orientierte Einrichtung oder jedes Unternehmen gut überlegen und gut prüfen, mit welcher Art von Beratung oder Entwicklungsbegleitung sie arbeiten wollen.

In meiner ehrenamtlichen Tätigkeit in der Koordinationsstelle für Schulberatung im Bund der Freien Waldorfschulen habe ich in den letzten 10 Jahren mit sehr vielen Anfragenden von Waldorfschulen oder Waldorfkindergärten diese Frage besprochen. Dabei kam es mir immer darauf an, nicht gleich einen Tipp zu geben, wer denn in Frage kommen könnte, sondern die Anfragenden in Stand zu setzen, diese Frage für sich selbst beantworten zu können, wenn ich ihnen Gesichtspunkte dazu gebe. Diese Gesichtspunkte haben sich im Laufe der Jahre konkretisiert und erweitert. Sie sind hier in den untenstehenden Fragen zusammengefasst. Es hat sich bewährt, dass eine Waldorfschule oder eine andere Einrichtung ihre Erwartungen bezüglich dieser Fragen im Vorfeld ernsthaft für sich klärt, bevor sie mit potentiellen BeraterInnen in Kontakt tritt. Ebenso wichtig ist die Vorklärung der Themen und Bereiche, die mit der externen Beratung bearbeitet werden sollen, damit die Reichweite des Auftrages ungefähr feststeht. In der Regel wird dann in der ersten Phase der Beratung eine Konkretisierung der zu bearbeitenden Themen und Bereiche erfolgen und damit auch eine Konkretisierung des Beratungsauftrages vorgenommen.

Aus diesen Erfahrungen und aus meiner eigenen langjährigen Erfahrung als Entwicklungsbegleiter von Waldorfschulen und anthroposophisch orientierten Einrichtungen habe ich 18 Schlüsselfragen entwickelt, die ich an eine Beratungsorganisation oder an eine Beraterin, einen Berater stelle, die/der eine Freie Waldorfschule beraten will.

  • Geht sie/er von einem ganzheitlichen Ansatz aus? Was wird darunter verstanden?
  • Welches Weltbild und welches Menschenbild liegen dem zu Grunde?
  • Welches Bild von Organisation liegt dem Ansatz zugrunde?
  • Ist es strukturorientiert, ergebnisorientiert, prozessorientiert?
  • Welche Dimensionen der Organisation/des sozialen Organismus werden damit erfasst, bearbeitet?
  • Welches Bild von Entwicklung ist damit verbunden?
  • Welches Verständnis von Schicksal, Reinkarnation und Karma haben die Berater?
  • Werden bestimmte Organisations-Modelle oder Strukturmodelle angeboten? Werden verbindliche Methoden und Instrumente damit verbunden?
  • Was ist das Ziel der Berater? Welche Motive haben sie?
  • Welche professionelle Berater-Qualifikation (Ausbildung, Fortbildung, Schulung zum Berater) hat die/der BeraterIn?
  • Wie gut kennen, verstehen und akzeptieren die BeraterInnen die inneren Prozesse und Strukturen der Freien Waldorfschule?
  • Kann die Schule in dem jeweiligen Ansatz ihre eigenen Lösungen selbstständig entwickeln?
  • Wer wird wie und wann beteiligt am Entwicklungsprozess?
  • Welche einzelnen Prozesse werden dabei gestaltet?
  • Welche Zeiträume für die Veränderungen werden geplant?
  • Wie transparent sind die Kosten?
  • Bezieht der Berater den vorhandenen Sachverstand adäquat ein?
  • Wie ist der persönliche Eindruck? Fühlen Sie sich bei der Beraterin, dem Berater – abgesehen von Sympathie und Antipathie – gut aufgehoben?

Wichtig ist dabei, dass Sie auf diese Fragen Antworten bekommen, auf denen Sie ein sachlich begründetes Urteil über die jeweilige Beraterin, den Berater aufbauen können. In der Regel finden Sie viele dieser Informationen schon im Internet auf der entsprechenden Website der Beraterin/ des Beraters. Es empfiehlt sich, eine Prioritätenliste der möglichen BeraterInnen zu erstellen, also mit wem Sie am liebsten zusammenarbeiten würden etc.. Achten Sie darauf, dass bei einem ersten Kennenlerntreffen schon konkret mit dem Berater gearbeitet wird, damit sie seine Arbeitsweise und seine Wirkungen auf Sie in der Arbeit kennenlernen können.


Bild von Willi Heidelbach auf Pixabay

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